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Bartender’s Guide von Jerry Thomas: Das Buch, das den Cocktail erfand

Ein gut beleuchteter Barkeeper mit gepflegtem Bart und einem weißen T-Shirt unter einer dunklen Schürze schüttelt konzentriert einen metallischen Cocktail-Shaker. Er steht vor einem unscharfen, dunklen Hintergrund, der eine Bar mit beleuchteten Flaschenregalen andeutet. Die Szene symbolisiert die handwerkliche Präzision des Mixens, eine Fähigkeit, die durch historische Werke wie den Bartender’s Guide von Jerry Thomas etabliert wurde.

Jeder ernsthafte Cocktail-Enthusiast kennt ihn, und in jeder gut sortierten Bar gilt er als Heilige Schrift: Der Bartender’s Guide von Jerry Thomas. Dieses 1862 erstmals veröffentlichte Werk, offiziell bekannt als How to Mix Drinks, or The Bon-Vivant’s Companion, ist weit mehr als nur eine Rezeptsammlung. Es ist das erste Cocktailbuch der Geschichte und der Gründungsmythos der amerikanischen Trinkkultur. Es definierte, was ein Cocktail überhaupt ist, und legte den Grundstein für den eleganten American Homestyle, den wir heute zelebrieren.

Wer war Jerry Thomas? Der „Professor“ und seine Ära

Der Autor, Jerry Thomas (1830–1885), war eine schillernde Figur. Bekannt als der „Professor“, war er nicht nur ein Meister seines Fachs, sondern auch ein Showman. Er war berühmt für seine extravagant inszenierten Auftritte und seine innovativen Kreationen, wie den „Blue Blazer“, bei dem er brennenden Whiskey zwischen zwei Bechern hin- und hergoss.

Jerry Thomas verwandelte das Bartending von einem Handwerk in eine Kunstform. Er bereiste die Welt, sammelte Rezepte und verfeinerte Techniken. Sein Ziel war es, das Wissen der damals entstehenden Cocktail-Kultur für die Nachwelt festzuhalten – ein unschätzbares Erbe für alle Liebhaber von Amerikanischen Getränken.

Der Inhalt: Warum der Guide eine Revolution war

Bevor der Bartender’s Guide von Jerry Thomas erschien, wurden Cocktailrezepte nur mündlich weitergegeben. Sein Buch standardisierte die Zubereitung und machte die flüssigen Köstlichkeiten für ein breiteres Publikum zugänglich.

Klassiker, die unsterblich wurden

Obwohl der Begriff „Cocktail“ im Buch nur ein Teil des Inhalts war, wurden hier die fundamentalen Rezepte niedergeschrieben, die bis heute Bestand haben:

  • Der „Whiskey Cocktail“: Das Rezept in Thomas‘ Guide ist der direkte Vorgänger des heutigen Old Fashioned. Es definiert die Grundformel von Spirituose, Zucker, Wasser und Bitters.
  • Der „Brandy Crusta“ und der „Fizz“: Das Buch enthält dutzende Rezepte für Sours, Slings und Punches, die die Basis für moderne Drinks bilden. Auch der Vorläufer des Manhattan Cocktail – der „Whiskey Crusta“ – ist hier zu finden.
  • Der Mint Julep: Der Guide beschreibt detailliert die Zubereitung des berühmten Südstaaten-Drinks Mint Julep, was seine historische Bedeutung unterstreicht.

Der American Homestyle der Gründerzeit

Thomas‘ Guide richtete sich nicht nur an professionelle Barkeeper, sondern auch an den „Bon-Vivant“ – den stilvollen Privatmann, der seine Gäste zu Hause unterhalten wollte. Er spiegelte damit einen frühen American Homestyle wider, der auf Authentizität, Qualität und Eleganz setzte. Die Cocktails sollten zwar beeindruckend sein, aber mit den richtigen Anweisungen auch zu Hause perfekt gelingen.

Die Relevanz für den modernen Cocktail-Enthusiasten

Warum ist der über 160 Jahre alte Bartender’s Guide von Jerry Thomas heute noch relevant?

  1. Authentizität: Er ist die Quelle. Wer einen klassischen Drink wie den Boston Sour authentisch zubereiten möchte, orientiert sich an diesen historischen Wurzeln.
  2. Basiswissen: Das Buch lehrt die fundamentalen Techniken – vom richtigen Rühren bis zur korrekten Balance von Säure und Süße.
  3. Inspiration: Viele moderne Mixologen nutzen Thomas‘ Originalrezepte als Basis für kreative neue Interpretationen.

Wer seine Hausbar mit einer Flasche edlem Whiskey und einer Auswahl an Bitters bestückt, um einen Drink nach Thomas‘ Vorbild zu mixen, zelebriert diese zeitlose Tradition.

Fazit: Das Erbe von Jerry Thomas

Der Bartender’s Guide von Jerry Thomas ist mehr als eine historische Kuriosität. Es ist das Manifest der Cocktail-Kultur und eine Blaupause für puristischen Genuss. Das Buch lehrt uns, dass wahre Eleganz in der Einfachheit liegt. Es ist die perfekte Lektüre für jeden, der seinen American Homestyle mit Stil und historischem Wissen bereichern möchte.

Ein Close-up zeigt einen Barkeeper in einer schwarzen Schürze und einem weißen T-Shirt, der einen leuchtend roten Cocktail aus einem silbernen Shaker in einen dunklen Metallbecher abseiht. Die Szene spielt in einer Bar mit einer dunklen Theke und unscharf beleuchteten Flaschen im Hintergrund. Diese Handlung des präzisen Mixens ist ein direktes Echo der Techniken und des professionellen Anspruchs, die durch den Bartender’s Guide von Jerry Thomas im 19. Jahrhundert etabliert wurden.

FAQ: Häufige Fragen zum Bartender’s Guide von Jerry Thomas

Wann wurde der Bartender’s Guide von Jerry Thomas veröffentlicht?

Die Erstveröffentlichung des Buches How to Mix Drinks war im Jahr 1862.

Ist das Buch heute noch erhältlich?

Ja, das Buch ist in zahlreichen Nachdrucken, modernen überarbeiteten Editionen und auch als digitale Version erhältlich.

Hat Jerry Thomas den Cocktail erfunden?

Nein, der Cocktail als Getränk existierte bereits. Thomas war jedoch die erste Person, die die Rezepte und Techniken der frühen amerikanischen Barkultur systematisch gesammelt, standardisiert und veröffentlicht hat.

Was ist der berühmteste Cocktail aus dem Guide?

Der berühmteste Drink ist der „Blue Blazer“, den Thomas selbst berühmt gemacht hat. Das Rezept für den „Whiskey Cocktail“ ist jedoch das historisch wichtigste.

Warum ist das Buch für das American Homestyle wichtig?

Es etablierte die Vorstellung, dass man elegante, hochwertige Cocktails auch außerhalb professioneller Bars zubereiten und genießen kann, was den Grundstein für die Home-Bar-Kultur legte.

War Jerry Thomas der erste Barkeeper, der eine Bar besaß?

Jerry Thomas besaß und betrieb mehrere Bars in New York und anderen Städten. Sein Ruf als Barkeeper war jedoch legendär, lange bevor er ein etablierter Barbesitzer wurde.

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